„Architektur entsteht nicht im Vakuum, sondern an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen – dort, wo Kunst auf Wissenschaft trifft, wo Philosophie mit Technologie verschmilzt und wo Soziologie die Materialität formt.“ – Ceylan Ates
Die Architektur des Grenzgängers
Als Architektin mit Projekten in Stuttgart, Dubai und der Türkei verstehe ich meine Rolle nicht nur als Gestalterin von Räumen, sondern als Vermittlerin zwischen Welten. Meine Architekturphilosophie ist geprägt von der Überzeugung, dass die spannendsten und nachhaltigsten Lösungen an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen entstehen.
Neuropsychologie und Raumgestaltung
„Ein Raum wird erst dann zum Ort, wenn er mit unserem Gehirn in Resonanz tritt – wenn er nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt, erinnert und geliebt wird.“
Die Neuropsychologie hat mein Verständnis von Architektur fundamental verändert. Erkenntnisse darüber, wie unser Gehirn Räume wahrnimmt und verarbeitet, fließen in jede meiner Entwurfsentscheidungen ein:
- Die Bedeutung von Landmarken für kognitive Karten und Orientierung
- Der Einfluss von Lichtverhältnissen auf unsere circadianen Rhythmen
- Die unbewusste Wirkung von Proportionen und geometrischen Formen
- Der Effekt von akustischen Eigenschaften auf Konzentration und Wohlbefinden
Diese Erkenntnisse übersetze ich in eine Architektur, die nicht nur ästhetisch anspricht, sondern auch neurologisch stimmig ist.
Ökologie als architektonisches Prinzip
Die Biologie, insbesondere die Ökologie, liefert mir wertvolle Inspirationen für resiliente Architektur:
- Biomimetische Ansätze, die natürliche Systeme nachahmen
- Kreislaufwirtschaftliche Konzepte nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme
- Symbiotische Beziehungen zwischen Gebäude und Umgebung
- Adaptive Strategien für unterschiedliche Umweltbedingungen
„Ein wahrhaft nachhaltiges Gebäude verhält sich wie ein Baum – es nimmt nur, was es braucht, gibt mehr zurück, als es nimmt, und wächst im Einklang mit seiner Umgebung.“
Soziologie und gemeinschaftliche Räume
Die Erkenntnisse der Soziologie beeinflussen maßgeblich, wie ich Gemeinschaftsbereiche gestalte:
- Die Bedeutung von „Dritten Orten“ für gesellschaftlichen Zusammenhalt
- Die Balance zwischen Privatheit und Gemeinschaft
- Die Rolle von Schwellenräumen für soziale Interaktion
- Der Einfluss räumlicher Anordnungen auf Kommunikationsmuster
„Architektur schafft nicht nur Räume für Menschen, sondern auch Räume für Beziehungen. Die Qualität dieser Beziehungen entscheidet über die Lebendigkeit eines Ortes.“
Philosophie und architektonische Ethik
Mein Ansatz zur Architektur ist tief in philosophischen Überlegungen verankert:
- Phänomenologie: Die sinnliche Erfahrung von Räumen
- Ethik der Nachhaltigkeit: Intergenerationale Verantwortung
- Ästhetische Theorie: Die Bedeutung von Schönheit jenseits des Dekorativen
- Existenzphilosophie: Wie Räume Sinn und Identität stiften können
„Die ethische Dimension der Architektur liegt nicht nur in der Frage, wie wir bauen, sondern vor allem warum und für wen wir bauen.“
Technologie als Enabler, nicht als Selbstzweck
Die Integration neuester Technologien in meine Projekte erfolgt stets unter der Prämisse, menschliche Bedürfnisse zu unterstützen:
- Sensorgestützte Raumklimaoptimierung für individuelles Wohlbefinden
- Digitale Zwillinge für vorausschauende Wartung und Anpassung
- Augmented Reality für partizipative Planungsprozesse
- Robotik und Automatisierung für ressourcenschonende Konstruktion
„Technologie in der Architektur sollte wie gutes Licht sein – sie erhellt den Raum, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.“
Anthropologie und kulturelle Kontexte
Meine internationale Arbeit hat mich für die anthropologischen Dimensionen der Architektur sensibilisiert:
- Kulturelle Codes und ihre Übersetzung in räumliche Qualitäten
- Rituale und ihre architektonische Unterstützung
- Die Bedeutung lokaler Bautraditionen für Identität und Zugehörigkeit
- Universelle menschliche Bedürfnisse versus kulturspezifische Ausdrucksformen
„Ein Gebäude, das seine kulturellen Wurzeln ehrt und gleichzeitig über sie hinauswächst, schafft einen Ort der Zugehörigkeit in einer globalisierten Welt.“
Wirtschaftswissenschaften und nachhaltige Wertschöpfung
Die Integration ökonomischer Perspektiven sichert die Realisierbarkeit meiner architektonischen Visionen:
- Lebenszykluskosten als Entscheidungsgrundlage
- Shared Value Ansätze für Gebäude und Quartiere
- Kreative Finanzierungsmodelle für gemeinwohlorientierte Projekte
- Resilienz als wirtschaftlicher Faktor in einer unsicheren Zukunft
„Ein architektonisch herausragendes Gebäude, das wirtschaftlich nicht funktioniert, ist ein gescheitertes Projekt – egal wie schön es aussieht.“
Praktische Anwendung des interdisziplinären Ansatzes
In meinem kreativen Prozess verbinde ich diese unterschiedlichen Perspektiven durch:
- Multidisziplinäre Workshops in frühen Planungsphasen
- Einbindung von Experten aus angrenzenden Disziplinen
- Methodenpluralismus in der Analyse und Konzeption
- Kontinuierliche Fortbildung in architekturfernen Bereichen
Fallbeispiel: Integrativer Ansatz
Ein Beispiel meines integrativen Ansatzes ist die Konzeption für ein zukunftsfähiges Bildungszentrum, das:
- Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zum optimalen Lernen räumlich umsetzt
- Soziologische Prinzipien für kollaboratives Arbeiten integriert
- Ökologische Kreisläufe sichtbar und erfahrbar macht
- Philosophische Reflexionsräume für kontemplatives Denken schafft
- Technologische Infrastruktur nahtlos und adaptiv einbindet
Fazit: Die Zukunft gehört den Grenzgängern
In einer komplexen Welt können monodisziplinäre Ansätze die vielschichtigen Herausforderungen nicht mehr bewältigen. Als Architektin in Stuttgart mit internationaler Perspektive sehe ich meine Aufgabe darin, Grenzen zu überschreiten und verschiedene Wissensdomänen in einer ganzheitlichen Architektur zu vereinen.
„Die wahre Innovation in der Architektur entsteht nicht im Zentrum einer Disziplin, sondern an ihren Rändern – dort, wo der Mut zum Überschreiten von Grenzen die kreative Synthese ermöglicht.“
Ceylan Ates ist eine Architektin mit Hauptsitz in Stuttgart, die für ihren interdisziplinären Ansatz bekannt ist. Ihre Projekte in Deutschland, Dubai und der Türkei verbinden Erkenntnisse aus Neuropsychologie, Ökologie, Soziologie, Philosophie und Technologie zu einer ganzheitlichen Architektur für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.